Die Krim sollte für alle Zeiten russisch sein

Bis 1783 gehörte die Krim aber zunächst weiter zum Osmanischen Reich. Erst nach dem Sieg über die Türken annektierte Zarin Katharina II am 8. April 1783 die Halbinsel. Die Krim sollte „fortan und für alle Zeiten“ russisch sein. Die russischen Behörden kooptierten zunächst die Land besitzende Oberschicht der Krimtataren, so dass viele Krimtataren in den russischen Hochadel aufstiegen. Zugleich wanderten aber zahlreiche Russen und Ukrainer auf die Krim ein. 1897 machten die Tataren nur noch ein Drittel der Bevölkerung aus.

Die krimtatarische Nationalbewegung, die sich nach der Oktoberrevolution herausbildete, fordert bis heute Autonomie. Sie sehen sich selbst als Ureinwohner der Krim und wünschen sich von der Regierung, diesen Status durch Gewährung von Privilegien anzuerkennen.

Besonders zu leiden hatten die Krimtataren unter Stalin, der am 18. Mai 1944 insgesamt 181 000 per Viehwaggons nach Zentralasien und Sibirien deportieren ließ, weil sie während der Zeit der deutschen Besatzung mit der Wehrmacht kollaboriert hätten.

Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen

Nachdem Katharina II. die Krim erobert hatte, wurde besonders die Stadt Sewastopol 1853-1856 zum Schauplatz des Krimkrieges, als das Osmanische Reich unterstützt von England und Frankreich die Halbinsel zurückerobern wollte. Russland verlor den Krieg, behielt aber die Krim. Sewastopol und seine Verteidigung galten fortan als ein Symbol russischen Heldentums, sodass sich Russland mit der Krim noch stärker verbunden fühlte als zuvor.

Im Zweiten Weltkrieg besetzte die Deutsche Wehrmacht Teile der Krim, Hitler wollte die Halbinsel durch eine Autobahn ans Deutsche Reich anschließen und dort Südtiroler ansiedeln.

Die Stadt Jalta ging in die Geschichte ein, als dort im Februar 1945 die letzte entscheidende Konferenz der Alliierten vor Ende des Zweiten Weltkrieges stattfand.

In der Amtszeit Nikita Chruschtschows im Kreml wurde die Halbinsel Krim schließlich der ukrainischen Sowjetrepublik zugeschrieben, was zunächst aber keine größeren Auswirkungen hatte, da es sich nur um interne Verwaltungsgrenzen innerhalb der UdSSR handelte.

Streit um Heimathafen der russischen Schwarzmeerflotte

Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde das anders: Zwar ist Sewastopol laut Pachtvertrag zwischen der Ukraine und Russland noch bis 2017 Heimathafen und Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte.

Der 2005-2009 amtierende ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko will den Vertrag aber auf keinen Fall verlängern. Auch ukrainische Nationalisten wollen die Krim endgültig von Russland “befreien”, während die russische Bevölkerungsmehrheit eher die Schwarzmeerflotte als ihre Schutzmacht ansieht und sich stark auf Moskau orientieren.

In letzter Zeit wird von einigen russischen Politikern, so auch dem Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow vertreten, dass Chruschtschows Verschenkung der Krim an die Ukraine ein Willkürakt war, der auch juristisch und völkerrechtlich unhaltbar sei. Es gibt auf der Krim besonders in der russischen Bevölkerung Stimmen, die nicht nur eine Autonomie der Halbinsel im Rahmen der Ukraine fordern, sondern einen Wiederanschluss an Russland.

(sk/mig/.rufo, Oktober 2009)

Kategorie: Allgemein, Aktualisiert am 20. Oktober 2009 von Redaktion | Anmelden